IGEL-Adventskalender elftes Türchen: 40 Jahre IGEL – Rubin-Glückwünsche von Konrektor Thomas Lauxen

IGEL-Adventskalen­der-Logo: Mia Sierra,5b

Kom­men­tar zum 40-jähri­gen IGEL-Jubiläum

In den ver­gan­genen 40 Jahren stand der IGEL gedruckt oder online für die Mei­n­ungs- und Presse­frei­heit an unser­er Schule und hat damit einen wichti­gen Beitrag für die Entwick­lung ein­er demokratis­chen Schulkul­tur geleis­tet.

Dabei war und ist der IGEL nicht irgen­deine schulis­che AG unter vie­len im Ganz­tagsange­bot der Kaiser-Lothar-Realschule plus, son­dern eine vielfach prämierte und von unab­hängi­gen Juroren aus­geze­ich­nete Schülerzeitung, die sich qual­i­ta­tiv von der großen Masse abhebt und seine Konkur­ren­zfähigkeit mit Schülerzeitun­gen aller Schu­larten regelmäßig unter Beweis stellt.

Die IGEL-Redak­teure tra­gen in der IGEL-AG wöchentlich dazu bei, dass die Schü­lerin­nen und Schüler unter der fach­män­nis­chen Beratung von Catrin Steck­er über die wichti­gen und auch weniger wichti­gen Dinge an unser­er Schule informiert wer­den und motivieren durch die Veröf­fentlichung inter­es­san­ter und unter­halt­samer Artikel auch lese­faule Kinder und Jugendliche zur Beschäf­ti­gung mit län­geren zusam­men­hän­gen­den Tex­ten.

Die inhaltliche Erschließung von Zeitungsar­tikeln erscheint bei ein­er funk­tionalen Anal­pha­beten­quote in Deutsch­land von ca. 7 Prozent mit­tler­weile nicht mehr selb­stver­ständlich.

Die Gründe hier­für liegen u. a. in einem fortschre­i­t­en­den Trend zur Verkürzung, Vere­in­fachung und Reduzierung unser­er Mut­ter­sprache durch den exzes­siv­en Kon­sum von dig­i­tal­en Medi­en.

In dem Sci­ence Fic­tion-Roman „1984“ beschreibt George Orwell im Jahr 1948 ein­drucksvoll die sys­tem­a­tis­che Dekon­struk­tion der Sprache und ihre Fol­gen.

Der Philologe Syme,  Fre­und des Haup­tak­teurs Win­ston Smiths, antwortet auf dessen Nach­frage mit fol­gen­den Sätzen: (Zitat)

„Wir merzen jeden Tag Worte aus – massen­haft, zu Hun­derten. Wir vere­in­fachen die Sprache auf ihr nack­tes Gerüst. Die Elfte Aus­gabe wird kein einziges Wort mehr enthal­ten, das vor dem Jahr 2050 ent­behrlich wird.

 „Weißt du auch, dass die Neusprache die einzige Sprache der Welt ist, deren Wortschatz von Jahr zu Jahr klein­er wird ?

„Siehst du denn nicht, dass die Neusprache kein anderes Ziel hat, als die Reich­weite dein­er Gedanken zu verkürzen?

„Mit jedem Jahr wird es weniger und immer weniger Worte geben, wird die Reich­weite des Bewusst­seins immer klein­er und klein­er wer­den.

„Hast du schon ein­mal bedacht, Win­ston, dass um das Jahr 2050 kein Men­sch mehr am Leben sein wird, der ein solch­es Gespräch, wie wir es eben führen, über­haupt ver­ste­hen kön­nte?

Durch das kon­se­quente Aus­for­mulieren und Ver­fassen von Zeitungsar­tikeln bei gle­ichzeit­ig hoher Pop­u­lar­ität und Akzep­tanz inner­halb der Schüler­schaft, set­zt der IGEL ein klares Zeichen gegen den Zeit­geist zur Verkürzung, Vere­in­fachung und Reduzierung unser­er Mut­ter­sprache  und fördert somit die Schreib- und Aus­drucks­fähigkeit der IGEL-Redak­teure im Beson­deren und die Lese- und Tex­ter­schließungskom­pe­tenz  unser­er Schü­lerin­nen und Schüler ins­ge­samt.

Der IGEL stemmt sich also mit sein­er redak­tionellen Arbeit  mehr oder weniger unge­wollt gegen die schein­bar unaufhalt­same Anal­pha­betisierung der Gesellschaft, trägt dabei noch ganz wesentlich zur Mei­n­ungs­bil­dung und (nach George Orwell) zur Bewusst­sein­ser­weiterung sein­er jun­gen Leserin­nen und Lesern bei.

Die jugendliche Neu­tral­ität und Unbeküm­mertheit, mit der unsere Schülerzeitungsredak­teure Missstände wie beispiel­sweise Mob­bing und Diskri­m­inierung the­ma­tisieren, fördert trotz ständig sink­enden Wortschatzes eine kon­struk­tive Stre­itkul­tur unter unseren Kindern und Jugendlichen.

Dabei wer­den die IGEL-Redak­teure mit der Veröf­fentlichung ihrer Zeitungsar­tikel in Zeit­en von Hate Speech, Fake-News und Sen­si­tiv­i­ty-Read­ing der großen Ver­ant­wor­tung für die Mei­n­ungs- und Presse­frei­heit in unser­er Schule stets gerecht.

Durch die Unab­hängigkeit des  „stache­li­gen IGELs“ brauchen die Berichtschreiber auch weit­er­hin kein Blatt vor den Mund zu nehmen und kön­nen den Leserin­nen und Lesern ihrer Zeitung frei nach George Orwell gele­gentlich auch mal sagen, was sie nicht hören wollen.

Die gesamte IGEL-Redak­tion kann rück­blick­end stolz und glück­lich auf die Pressear­beit in den ver­gan­genen 40 Jahren schauen und im Bewusst­sein ihrer großen Ver­ant­wor­tung  für die Weit­er­en­twick­lung ein­er demokratis­chen Schulkul­tur die näch­sten 40 Jahre ange­hen.

Koblenz, 21.10.2019

Thomas Laux­en (Bild pri­vat)

Thomas Laux­en
(Zeitungsleser und Medi­enkon­sument)

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