Frau Steckers kriegsmüder Uropa – Tuberkulose oder Heimweh?

Das Orig­i­nal­doku­ment der Ent­las­sung

Der Ent­lass­brief von Karl Wil­helm Steck­er in deutsch­er Kur­rentschrift, hier in für Euch les­bar­er Form:

„Der prov­inzial Infan­ter­ist Mus­keti­er Karl Wil­helm Steck­er aus Horn, Fürsten­tum Lippe, einge­treten am 16. Novem­ber 1864 beim ehe­ma­li­gen Füsili­er Batail­lon Lippe wird auf­grund der seit­ens des Departe­ments „Ersatz” Kom­mis­sion, unterm 15. März ein­er vorgenomme­nen Super­re­vi­sion, wegen begin­nen­der Tuberku­lose der recht­en Lun­gen­seite und Katarrh bei­der Lun­gen, als dien­stun­tauglich aus allen Mil­itärver­hält­nis­sen ent­lassen!
Det­mold, 18. Juli 1871
Königlich­er Landwehr „Bezirks” Kom­man­do
xxx
Ober­stleu­tent und Kom­man­deur”

Karl Wil­helm Steck­er, Stell­macher­meis­ter, geboren am 18.04.1842, ver­stor­ben am 27.09.1918, hier mit erster Ehe­frau Char­lotte und den Kindern Louise, Auguste, Hein­rich und Sophie

Dieser Artikel ist deswe­gen beson­ders inter­es­sant, weil er zeigt, wie gegen­sät­zlich ein Zeit­doku­ment wie dieser Ent­lass­brief aus der Armee zu dem mündlich über vier Gen­er­a­tio­nen weit­er­erzählten Bericht ist, der in der Fam­i­lie Steck­er bis heute über­liefert ist. Karl Wil­helm erzählte seine Geschichte seinem späteren Sohn Willy Steck­er, dieser gab die Geschichte seines Vaters an seinen Sohn Hel­mut Steck­er weit­er und dieser wiederum berichtete sein­er Tochter Catrin Steck­er. Die ist meine Musik­lehrerin und so lan­dete die Geschichte schließlich bei uns im IGEL.

Und das ist näm­lich die Wahrheit: Karl Steck­er hat­te bere­its in anderen Kriegen gedi­ent und er war das Kämpfen leid. Er hat­te großes Heimweh und griff zu ein­er List, die ihn lock­er das Leben hätte kosten kön­nen, wäre er erwis­cht wor­den: er lag ihm Lazarett wegen ein­er Kniev­er­let­zung und war soweit gene­sen, dass er wieder ent­lassen und an die Front geschickt wer­den sollte. Da ließ er sich von seinem Bet­tnach­barn, der an Tuberku­lose erkrankt war, in seinen (Karl Steck­ers) Spuck­napf spuck­en. Die wur­den vor der Ent­las­sung unter­sucht und so wurde Karl, ver­meintlich lun­genkrank, ent­lassen und durfte endlich nach­hause.

Armin Lep­age, 8a

Eine Antwort auf „Frau Steckers kriegsmüder Uropa – Tuberkulose oder Heimweh?“

  1. Sol­dat, der sich frei entschei­det

    Im Lazarett wird Sehn­sucht nach den Seinen beson­ders schmerzhaft emp­fun­den. Das Knie ist soweit geheilt, doch die Sor­gen des Sol­dat­en waren längst nicht vorüber; Er will nicht mit Waf­fen gegen andere Men­schen kämpfen. Die beson­dere Dra­matik: Er riskiert sein leben. Die Ver­ant­wortlichen kamen zu einem juris­tis­chen Beschluss: „Ent­lassen aus allen mil­itärischen Ver­hält­nis­sen”.
    Karl Wil­helm Steck­er (18.04.1842 _ 29.09.1919) schied aus dem Mil­itär aus. Ein Jahrhun­dert nach seinem Tod ist das dama­lige Erleben noch lebendig: Die Ereignisse auf der Welt­bühne haben die Men­schen dazu gezwun­gen, ihre ver­traute Umge­bung aufzugeben.

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