IGEL goes Bundeswehr

IGEL Pro­jekt-Team (von links): Aimane Wal­len­born, 10a, Lil­li Wid­mann, 7b, Lena Alff, 10a, Jan Weyres, 8a, Armin Lep­age, 6c, Timo Gehrke, 9d, Lukas Pawlowsky, 9d, Kim Wag­n­er, 8a, Eduard Wall, 9b und Catrin Steck­er, 1a 😉

Unser IGEL-Tag bei der Bun­deswehr am 17.01.2018

Am 17.01.2018 waren wir auf Ein­ladung der Nach­wuchs­gewin­nung zu einem Infor­ma­tion­stag im Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 (ITBtl 281) der Bun­deswehr in der Eifel-Kaserne „auf windi­ger Höhe“ in Lissin­gen bei Gerol­stein ein­ge­laden. Ich habe den Ablauf des Tages für Euch grob vor­ab zusam­menge­fasst, bevor die anderen IGELaner aus­führlich­er über die einzel­nen Sta­tio­nen bericht­en wer­den.

Um 8:00 Uhr wur­den wir mit Bun­deswehrfahrzeu­gen abge­holt, wovon eines ein Gelände-Jeep namens „Wolf“ war, was nicht nur cool, son­dern auch ganz prak­tisch war, denn auf der Straße nach Gerol­stein lag dick Eis und ein paar LKWs hin­gen auf der Höhe von Büdesheim bere­its im Graben. Daher kamen wir auch erst um 8:30 Uhr an.

 

Unsere „Bun­deswehr-Tour” war wie fol­gt geplant: Zunächst gin­gen wir zur Boden­sta­tion, dort standen über­all Com­put­er und große Mon­i­tore.
Draußen schaut­en wir uns riesige Satel­liten­empfänger an und macht­en ein Grup­pen­fo­to:

Danach ging es zum Ober­stab­s­feld­webel Dim­mer. Herr Dim­mer zeigte uns sein Büro und erk­lärte die Tätigkeit­en als „Spieß“. Nach dem Büro ging es runter in den Keller des Gebäudes, in dem sich noch ein Bunker aus dem Kalten Krieg befind­et. Herr Dim­mer erzählte, dass die größte Fläche des Bunkers bere­its geflutet ist und irgend­wann zube­toniert wer­den soll, drei Räume aber noch bege­hbar sind. Diese schaut­en wir uns dann auch an, Herr Dim­mer erzählte, dass er in sein­er ersten Zeit in Gerol­stein dort unten während ein­er Übung drei Tage ver­brachte. Es gab einen Flucht-Schacht zu sehen, durch den die Sol­dat­en im Ern­st­fall flücht­en kon­nten. Ein Höhep­unkt für mich war dann die Besich­ti­gung der Waf­fenkam­mer. Jed­er Sol­dat hat seine eigene Waffe, meis­tens ein G36.
Danach durften wir eine „Stube” anschauen. Als Stube wird der Wohn- und Schlafraum für Sol­dat­en in ein­er Kaserne beze­ich­net.
Im Anschluss wur­den uns die leg­endären EPas (Ein­man­npack­un­gen), das Essen für Sol­dat­en in Ein­sätzen für einen Tag demon­stri­ert. Wir durften von allem pro­bieren. Das Getränkepul­ver war sehr leck­er, unser Favorit waren jedoch die Panz­erkekse.
Ober­stab­s­feld­webel Dim­mer nahm sich während unseres gesamten Besuchs richtig viel Zeit für das Beant­worten unser­er Fra­gen.
Ganz am Ende des Vor­mit­tags, der viel zu schnell vor­bei war, gin­gen wir zu Haupt­feld­webel Brock­hoff, der die Fam­i­lien­be­treu­ung in Gerol­stein leit­et, dort erzählte er uns aktuelle Infor­ma­tio­nen über die Betreu­ungs- und Ver­sorgungsmöglichkeit­en der Fam­i­lien während ein Sol­dat im Ein­satz ist. Weit­er erfuhren wir einiges über Aus­bil­dungs- und Kar­ri­eremöglichkeit­en bei der Bun­deswehr. Für ein ein- bis zwei­wöchiges Prak­tikum während der Schulzeit sollte man sich frühzeit­ig bewer­ben, da die Plätze sehr begehrt sind! Soweit der Kurzüberblick unseres Aus­flugs nach Lissin­gen; in den fol­gen­den Beiträ­gen schreiben die „IGEL-Kam­er­aden“ aus­führlich über die einzel­nen Sta­tio­nen des Vor­mit­tages. Vie­len Dank an den Haupt­ge­fre­it­en Max­i­m­il­ian Stein von der Nach­wuchs­gewin­nung und Ober­stab­s­feld­webel Wern­er Dim­mer sowie alle seine Mitar­beit­er, die sich die Zeit für uns und unsere Fra­gen genom­men haben!

Armin Lep­age, 6c

Die Boden­sta­tion in Gerol­stein

Der erste Pro­gramm­punkt unser­er Besich­ti­gung war die Boden­sta­tion. Auf der Boden­sta­tion in Gerol­stein arbeit­en 16 Sol­dat­en im 4x4-Mann-Schicht­sys­tem, dazu kom­men ein Schicht­führer und ein Schalt­feld­webel. Die eine Schicht dauert von 8.15 bis 20.45, die andere von 20.15 bis 8.45, am Woch­enende gibt es 24-Stun­den-Dien­ste. Im Überwachungsraum und im Tech­nikraum ste­hen über­all Com­put­er­sys­teme und Bild­schirme.

Draußen macht der Name „auf windi­ger Höhe“ der Kaserne alle Ehre. Es ist eiskalt und der Wind durch­wühlt den nachts gefal­l­enen Schnee. Stab­s­feld­webel Groß ste­ht jedoch ungerührt mit uns ohne Jacke in der Kälte und erk­lärt uns alles zu den Anten­nen und beant­wortet geduldig unsere Fra­gen. Es gibt hier fünf ver­schiedene Anten­nen­typen, zum Beispiel P‑, C- und X‑Band. Ins­ge­samt ste­hen sechs feste Anten­nen in Gerol­stein sowie eine mobile Antenne. Das X‑Band ist ein Fre­quenzband nur für Mil­itär-Kom­mu­nika­tion­ssatel­liten. So ist man ver­bun­den mit allen Ein­sat­zlän­dern der Bun­deswehr und kann Tele­fonie und Daten­verbindung her­stellen und hal­ten. Die Abteilung küm­mert sich um den Verbindungsauf­bau und um Störungs­be­he­bung. In den Ein­sat­zlän­dern arbeit­et ein mobil­er Trupp als Gegen­stelle, empfängt die Sig­nale und leit­et diese weit­er. Neben jed­er der Anten­nen ste­ht ein Con­tain­er, der manuell ges­teuert wird, man muss nicht dort hineinge­hen und einen Hebel oder sowas betäti­gen. Die Anten­nen drehen sich min­i­mal, während die Satel­liten, von denen die Bun­deswehr über zwei eigene ver­schlüs­selte ver­fügt, in der immer gle­ichen Umlauf­bahn in kleine Acht­en fliegen. Alle Satel­liten fliegen in ein­er Höhe von kon­stant 37.000 Metern Höhe in ihrer Umlauf­bahn in gle­ich­er Geschwindigkeit wie die Erdum­drehung. Nach ca. 15 Jahren geht die Lebens­dauer eines Satel­liten zuende und ein Ersatzsatel­lit, der hin­ter dem Satel­liten bere­its in „Wartestel­lung“ posi­tion­iert ist, wird ihn erset­zen. Die Satel­liten fliegen unheim­lich dicht gedrängt auf der Höhe des Äqua­tors über der Erde. Alle zwei Grad ste­ht dort ein Satel­lit. Am 12.02.2009 wurde ein amerikanis­ch­er Kom­mu­nika­tion­ssatel­lit bei ein­er Kol­li­sion mit einem still­gelegten rus­sis­chen Mil­itär­satel­liten zer­stört. Bilder der europäis­chen Wel­trau­mor­gan­i­sa­tion ESA zeigen, wie dicht die Erde von Satel­liten im Wel­traum umgeben ist. Es gibt zwei weit­ere Sta­tio­nen in der Art wie hier in Gerol­stein: in Kastel­laun sowie eine zivile Sta­tion in Weil­heim (deutsches Luft- und Raum­fahrtzen­trum). Die Ein­sätze wer­den untere­inan­der geteilt.

In Gerol­stein ist das Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 zu Hause. Es gehört zum Orag­ni­sa­tions­bere­ich des Cyber- und Infor­ma­tion­sraums (CIR) und unter­ste­ht dem Kom­man­do der Infor­ma­tion­stech­nik der Bun­deswehr. Da die Sys­teme für mich nicht ganz ein­fach zu erk­lären sind, zitiere ich aus der Infor­ma­tions­broschüre, bevor ich Euch meine Ein­drücke schildere:

„Das Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 stellt als eines von ins­ge­samt sechs Infor­ma­tion­stech­nik-Batail­lo­nen mit seinen mobilen Kräften die weltweite IT-Anbindung für die Aus­land­sein­sätze der Bun­deswehr sich­er. Mit fach­lich hochqual­i­fizierten Sol­datin­nen und Sol­dat­en sowie mod­er­nen IT-Sys­te­men ver­fügt das Batail­lon über Fähigkeit­en in den Bere­ichen Satel­litenkom­mu­nika­tion, Net­zw­erk­tech­nik, Servertech­nik, ver­schlüs­selte mobile Kom­mu­nika­tion und dig­i­taler Richt­funk. Für die weltweit­en Ein­sätze der Bun­deswehr stellt das Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 mit dem IT-Sys­tem der Bun­deswehr die Führungs­fähigkeit sich­er. Dies ist ein fun­da­men­tales Ele­ment, ohne das mobile und sta­tionäre Kräfte nicht in der Lage wären, einen Ein­satz über weite Ent­fer­nun­gen zu steuern und zu koor­dinieren.

Das Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 ver­fügt über knapp 700 Dien­st­posten und gliedert sich in einen Stab, fünf Ein­satzkom­panien und den Stab­szug. Diese Struk­tur befähigt das Batail­lon, neben der Durch­führung ein­er Grun­daus­bil­dung für neue Sol­dat­en, mehrere Ein­sätze und Übun­gen par­al­lel zu beset­zen, Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tionsver­bunde bere­itzustellen und Anbindung der Ein­satzge­bi­ete an die Basis Inland sicherzustellen.

Die Kom­panien des Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281

Die erste Kom­panie bildet die Ver­sorgungs- und Grun­daus­bil­dungskom­panie. Sie stellt den Ablauf der Grun­daus­bil­dung sich­er und stellt die materielle und tech­nis­che Ver­sorgung des Batail­lons sich­er.

Die zweite bis fün­fte Kom­panie sind Ein­satzkom­panien, die sich auf Sys­teme der Fer­n­melde­tech­nik spezial­isiert haben. In der zweit­en Kom­panie sind Sys­temtrup­ps der mobilen Kom­mu­nika­tion (MobKomm­Sys) und Servertrup­ps unterge­bracht. Die dritte Kom­panie stellt Net­zw­erk­struk­turen wie das Ver­lege­fähige Access­netz der Bun­deswehr (VANBw) und die entsprechende Ver­schlüs­selung­stech­nik bere­it. In der vierten Kom­panie ist die Satel­liten Kom­mu­nika­tion ver­ankert, dort ist das Sys­tem Sat­ComBw MK einge­bun­den. Par­al­lel dazu gibt es noch zwei Züge mit dig­i­talem Richt­funk (DigRi­Fu SKB). Weit­ere Sys­teme wie RBM (Trans­porta­bles Kurzbandter­mi­nal), HF (Hochfre­quenz Funk), TetrapolBw (Hand­funkgerätenet­zw­erk) und Sat­Com EK (Satel­liten Kom­mu­nika­tion) /VTC (Video Kon­ferenz) betreibt die fün­fte Kom­panie.

Der Stab­szug unter­stützt mit Per­son­al den Kom­man­deur und dessen Stab.“

Quelle:  siehe Hyper­link oben Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281

Lil­li Wid­mann, 7b

Das Ver­wal­tungs­ge­bäude des 281. Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon

Unser näch­ster Besich­ti­gungspunkt war die erste Kom­panie des ITBtl281, hier stellte Ober­stab­s­feld­webel Dim­mer uns unter anderem die Stuben der Sol­dat­en vor, die in der Kaserne leben. Für einen gerin­gen Betrag im Monat kön­nen Sol­dat­en, die weit­er ent­fer­nt behei­matet sind, dort während ihres Dien­stes wohnen und für ca. drei Euro in der Kan­tine essen. Während auf der zuvor besichtigten Boden­sta­tion vielfältige Berufe aus dem Feld der Elek­trotech­nikberufe und Net­zw­erk­tech­nik aus­geübt wer­den, arbeit­en in den Büros Sol­dat­en z.B. als Bürokauf­mann.

Bei der sich anschließen­den Bunkerbesich­ti­gung wurde uns die Waf­fenkam­mer durch Ober­feld­webel Schwartz vorgestellt, in der jed­er Sol­dat sein eigenes Gewehr lagert und eine weit­ere Vielzahl an Waf­fen ein­ge­lagert sind. Außer­dem lagern hier Panz­er­fäuste und dieb­stahlge­fährdetes Mate­r­i­al wie hochw­er­tige Fer­ngläs­er u. A.. Die Muni­tion wiederum wird geson­dert gelagert. Die Waf­fenkam­mer ste­ht unter ständi­ger Bewachung, so wie man das Gebäude Tag und Nacht nur betreten darf, wenn einen der dien­sthaben­der Unterof­fizier vom Dienst (UVD, erkennbar an sein­er Arm­binde, die ihn als solchen kennze­ich­net) passieren lässt. Die Luftschutzbunker aus dem Kalten Krieg wur­den teil­weise bis auf einen Teil geflutet. Die Gänge leucht­en im Dunkeln zur besseren Ori­en­tierung, wenn der Strom aus­fällt. Die Leucht­streifen in den Gän­gen beste­hen aus flu­o­reszieren­der Wand­farbe. Alle Gebäude „auf windi­ger Höhe“ waren während des Kalten Krieges mit einem Rohrsys­tem miteinan­der ver­bun­den für den Angriffs­fall.

Jan Weyres, 8a

Die EPa

Als Näch­stes zeigte uns Haupt­feld­webel Brumm, Leit­er der Verpfle­gungs­gruppe im ITBtl 281, die berühmte Ein­man­npack­ung. Die EPa wiegt um die 2kg und ist ein Verpfle­gungspaket, mit dem sich ein Sol­dat min­destens einen Tag lang ver­sor­gen kann, falls keine reg­uläre Ver­sorgung durch Feld­küche oder Kan­tine möglich ist. Die EPas wer­den bei den zahlre­ichen Übun­gen ver­wen­det. In ein­er EPa befind­et sich abgepackt in Por­tio­nen beson­ders halt­bare, sofort verzehrbare Nahrung wie nor­male Fer­tig­gerichte, die nicht extra auf­bere­it­et wer­den müssen und auch kalt gegessen wer­den kön­nen. Die Halt­barkeit solch­er Pakete hängt stark von ihrer Lagerung ab. Die Bun­deswehr gibt die Halt­barkeit (Ver­brauch­szeit) mit dreiein­halb Jahren an. Die Pakete hal­ten aber viel, viel länger! Eine EPa hat ca. 3400 Kilo­kalo­rien.

Beispiel für den Inhalt eines EPas (seit 1981):

Kartof­feln und Gemüse 300 g
Brot 170 g
Weizenkeim­lingskeks 100 g
Brot­be­lag Bier­wurst 50 g
Brot­be­lag Geflügel­ly­on­er 48 g
Kon­fitüre 2 × 25 g
Müs­li Schweiz­er Art 80 g
Joghurt­dessert mit Wald­beeren 80 g
Erd­nüsse gesalzen, geröstet 30 g
Energieriegel „Choco­late“ 60 g
Energieriegel „Apfel-Zimt“ 50 g
Hypo­tonis­ches Getränkepul­ver 4 × 37,5 g
Basis­mod­ul 1 Beu­tel

Ins­ge­samt gibt es 15 Sorten Epas. Die let­zten drei Typen EPa wur­den speziell für die Spezialein­satzkom­man­dos entwick­elt, die bei stark­er sportlich­er Anstren­gung einen beson­ders hohen Kalo­rienbe­darf haben. Dazu gibt es bere­its veg­e­tarische EPas und EPas für Mus­lime ohne Schweine­fleisch, deren Inhalt halal (nach islamis­chem Recht zuläs­sig) ist. Die Nachteile der EPas sind ein­fach ihr hohes Gewicht, bei einem Marsch von fünf Tagen hat man echt viel zu schlep­pen und das hohe Mül­laufkom­men. Man sollte sich nicht länger als 30 Tage mit EPas ernähren, danach ist frisch zubere­it­ete Nahrung wichtig. Für uns waren die „Panz­erkekse“ der Burn­er! Sie lassen sich sog­ar anzün­den!

Eduard Wall, 9b

Die Stuben der Bun­deswehr

Die Stuben der Sol­dat­en sind sehr schlicht ein­gerichtet, jedoch inzwis­chen viel kom­fort­abler als zu der Zeit, in der das Kaser­nenge­bäude errichtet wurde (in den 1960er Jahren). Früher schliefen die Sol­dat­en in Stuben mit meis­tens acht Per­so­n­en und hat­ten sehr wenig Kom­fort. Heute sieht es anders aus die, Sol­dat­en schlafen meist in Stuben mit zwei bis vier Per­so­n­en und haben einen Fernse­her, auf dem sie gerne am Abend auch mal zusam­men eine Runde Fifa spie­len. Die Stube kostet im Monat einen gerin­gen Betrag, was wohl eher ein sym­bol­is­ch­er Betrag ist. Die Sol­dat­en richt­en sich ihre Zim­mer gerne so ein, dass sie sich wohlfühlen. Im All­ge­meinen haben die Sol­dat­en in ihren Stuben heute viel mehr Pri­vat­sphäre als früher. Dass aber Ord­nung und Diszi­plin herrscht, kon­nten wir sehen, als uns ein zufäl­lig gewählter Schrank geöffnet wurde: akku­rat und auf den Zen­time­ter, wenn nicht Mil­lime­ter genau waren die Hem­den, T‑Shirts und andere Anziehsachen gefal­tet und präzise übere­inan­der gestapelt. Respekt!

Kim Wag­n­er, 8a

Inter­view mit Ober­stab­s­feld­webel Wern­er Dim­mer

IGEL: Herr Ober­stab­s­feld­webel Dim­mer, her­zlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, für unsere Schülerzeitung IGEL an der KLR+ Prüm ein paar Fra­gen zu beant­worten. Auch die Tat­sache, dass wir heute den Tag hier in Lissin­gen in der Eifel-Kaserne „Auf windi­ger Höhe“ ver­brin­gen dür­fen, haben wir Ihrem Tipp an die Nach­wuchs­gewin­nung zu ver­danken. Wir sind sehr stolz, diese Ein­ladung bekom­men zu haben und wollen natür­lich max­i­mal viel über Sie und die Arbeit hier her­aus­find­en.

Kim: Herr Ober­stab­s­feld­webel Dim­mer, wie viele Jahre arbeit­en Sie schon im Dienst der Bun­deswehr?
OSt­Fw Dim­mer: Das sind inzwis­chen 28 Jahre! Seit 14 Jahren bin ich hier Kom­paniefeld­webel. Vorher war ich bei der Deutschen Bahn beschäftigt.

Timo: Was für ein Dien­st­grad ist „Ober­stab­s­feld­webel“?
OSt­Fw Dim­mer: An mein­er Schul­ter­schnur-Kordel erkennst Du, dass ich hier der Spieß bin. Ich küm­mere mich um Ord­nung, Sauberkeit, die Verpfle­gung und bin für die Aus­bil­dung zuständig. Ober­stab­s­feld­webel verse­hen in der Regel ihren Dienst in höheren Stäben und Ämtern. In der Truppe wer­den sie in her­aus­ge­hobe­nen Dien­st­stel­lun­gen einge­set­zt.

Aimane: Müssen Sie die Ihnen untergebene Sol­dat­en mit „Das ist ein Befehl!” ansprechen, damit diese gehorchen?
OSt­Fw Dim­mer: In mein­er gesamten höheren Sol­daten­lauf­bahn musste ich nie jeman­den mit „Das ist ein Befehl!“ ansprechen. Mein Stil ist eher der der koop­er­a­tiv­en Führung. Ich bin hier mehr oder weniger auch für die emo­tionale Ebene zuständig. Trotz­dem und ger­ade deswe­gen gibt es klare Regeln und Struk­turen. Ich per­sön­lich lasse meine Kom­panie (und das sind immer­hin 180 Sol­dat­en) jeden Mor­gen um 7.00 antreten zum Appell.

Anmerkung IGEL: Seinen „koop­er­a­tiv­en Führungsstil“ kon­nte der IGEL ein­drucksvoll erfahren, zu Beginn hat Herr OSt­Fw Dim­mer den „Spieß” markiert, nach­dem ich (Aimane) sol­datisch aufge­fordert wurde, meine Hände aus der Tasche zu nehmen, hat sich die Lage mit der Zeit immer mehr gelock­ert.

Jan: Zur Kar­riere eines Bun­deswehrsol­dat­en gehört auch der frei­willige Ein­satz in einem Krisen­ge­bi­et dazu. Sie waren mehrmals in Afghanistan. Wür­den Sie uns ein biss­chen von Ihren Ein­drück­en aus Afghanistan bericht­en?
OSt­Fw Dim­mer: Ich war in Bosnien, dem Koso­vo und zwei Mal in Afghanistan. 2006 kon­nte ich mithelfen beim Auf­bau eines neuen Camps. Das war sehr span­nend. Anson­sten muss ich ein­fach sagen, wenn ich da jet­zt anfan­gen würde, säßen wir in ein­er Woche noch hier. Das wäre ein The­ma, wenn Ihr mich in die Schule ein­laden möchtet.

Armin: Nach Angaben der Bun­deswehr vom 2. Okto­ber 2015 kamen seit 1992 bei Aus­land­sein­sätzen 106 Bun­deswehrange­hörige ums Leben, davon 37 durch Fremdein­wirkung und 22 durch Suizid. Mit welchen Gefühlen bleibt da die Fam­i­lie bei einem Ein­satz im Krisen­ge­bi­et zurück? Wird man psy­chol­o­gisch betreut?
OSt­Fw Dim­mer: Diese Frage kann Euch der Kol­lege Schwartz vom Kar­ri­erezen­trum gle­ich ver­mut­lich bess­er beant­worten als ich. Außer­dem wäre meine Frau die bessere Ansprech­part­ner­in, weil sie es ja war, die monate­lang alleine mit vier Kindern den Laden schmeißen musste. Aber zu Dein­er Frage, ja, man wird her­vor­ra­gend durch diese Zeit vor­bere­it­et und betreut.

Kim: Ist es Ihrer per­sön­lichen Ein­schätzung nach pos­i­tiv oder neg­a­tiv zu bew­erten, dass die Wehrpflicht abgeschafft wurde?
OSt­Fw Dim­mer: Eigentlich empfinde ich die Abschaf­fung als neg­a­tiv. Sie hat vie­len jun­gen Men­schen eine beru­fliche Per­spek­tive und Absicherung eröffnet. Aber nach ein­er kleinen Durst­strecke nach Abschaf­fung der Wehrpflicht hat sich das Inter­esse am Wehr­di­enst wieder sta­bil­isiert und erfährt ger­ade eine Renais­sance. Die Bun­deswehr ist in meinen Augen ein attrak­tiv­er Arbeit­ge­ber.

Kim: In let­zter Zeit hört man ver­mehrt von Ange­höri­gen der Bun­deswehr mit recht­sradikalen Ten­den­zen. Empfind­en Sie, dass die Bun­deswehr aus­re­ichend sen­si­bil­isiert ist, um das Prob­lem zu erken­nen und mit welchen Strate­gien begeg­net die Bun­deswehr dieser Prob­lematik?
OSt­Fw Dim­mer: Defin­i­tiv ja. Die Bun­deswehr ist ja qua­si ein Spiegel unser­er Gesellschaft in Deutsch­land, wir sind fast mul­ti­kul­ti, kann man sagen. Da kom­men auch „schwarze Schafe“ in unsere Rei­hen. Man sollte mit diesem Prob­lem sehr aufmerk­sam umge­hen. Wir in Gerol­stein sind da gut sen­si­bil­isiert und bei Recht­sradikalen in der Bun­deswehr fahre ich eine absolute Null-Tol­er­anz-Schiene.

Eduard: Die Bun­deswehr ist ja eine Teil­stre­itkraft der NATO und in die Luftaufk­lärung über Krisen­ge­bi­eten einge­bun­den. Wer hat denn im Fall der Fälle den Ober­be­fehl über NATO-Ein­sätze?
OSt­Fw Dim­mer: Die NATO ist ein Bund, daher entschei­den alle Mit­gliedsstaat­en gemein­sam. Den roten Knopf, den Ihr Euch da so vorstellt, auf den ein Einzel­ner drückt, gibt es nicht.

Lil­li: Muss man sich auch in älteren Dien­st­jahren kör­per­lich fit hal­ten? Gibt es da ein dien­stlich­es Train­ing? Und ist das hart?
OSt­Fw Dim­mer: Die sportlichen Bedin­gun­gen wer­den dem Alter angepasst etwa so wie das Sportabze­ichen. Ich trainiere frei­willig und darf das erfreulicher­weise während mein­er Arbeit­szeit absolvieren. Noch bin ich mit meinen 47 Jahren an vorder­ster Front dabei und fit­ter als so manch­er frisch Rekru­tiert­er.

Aimane: Sind Sie schon in bren­zlige Sit­u­a­tio­nen während ihrer Dien­stzeit ger­at­en?
OSt­Fw Dim­mer: Ich per­sön­lich nicht, da ich während mein­er Aus­land­sein­sätze eher in der zweit­en Rei­he beschäftigt war. Ich habe aber während mein­er Ein­sätze Vieles mit­bekom­men, was meinen Kam­er­aden zugestoßen ist. Ich werfe hier nur ein­mal den Begriff „Green on Blue“ ein.
Recherche Aimane: Green on Blue in Afghanistan
Green on Blue heißt, wenn „Fre­unde” die Waffe auf „Fre­unde” richt­en, in Afghanistan hat sich dieses Prob­lem als Stufe rot ent­pup­pt. Die Einzelfälle über­steigen die Mess­lat­te. 54 Gefal­l­ene der ISAF-Trup­pen, die durch feindlichen Beschuss ums Leben kamen, zählte eine Web­site 2017.

„Nach dem Beschuss durch die eige­nen Kam­er­aden, euphemistisch friend­ly fire und mehr tech­nisch Blue on Blue genan­nt, demor­al­isiert eine Truppe vor allem der Beschuss aus den Rei­hen von Ver­bün­de­ten. Green on Blue heißt das, wenn die (ver­meintlichen?) Fre­unde die Waffe auf ihre Part­ner richt­en, und mit dem heuti­gen Tag hat sich das in Afghanistan noch mal mehr als Prob­lem erwiesen: Ein Sol­dat der afghanis­chen Armee (ANA) erschoss im Süden des Lan­des zwei britis­che Sol­dat­en; am Abend wurde ein weit­er­er Fall gemeldet, bei dem ein ISAF-Sol­dat von einem afghanis­chen Polizis­ten erschossen wurde. (…) 54 Gefal­l­ene der ISAF-Trup­pen, die durch feindliche Aktiv­ität ums Leben kamen, zählte die Web­seite icasualties.org bis­lang in diesem Jahr. Davon sind 16 Gefal­l­ene durch Green on Blue ums Leben gekom­men. Das ist knapp ein Drit­tel. Jed­er Fall ist ein­er zu viel, aber bei einem Drit­tel dürfte sich jed­er Sol­dat im ISAF-Ein­satz noch ungemütlich­er fühlen. Nach dem Mord an zwei US-Offizieren im afghanis­chen Innen­min­is­teri­um Ende Feb­ru­ar, der wiederum eine offen­sichtliche Reak­tion auf die Koran-Ver­bren­nung durch amerikanis­che Sol­dat­en war, hat­te unter anderem die Bun­deswehr vorüberge­hend das Part­ner­ing eingestellt, die gemein­samen Oper­a­tio­nen (und Aus­bil­dung) mit den afghanis­chen Sol­dat­en.”

Quelle: siehe Hyper­link oben „Green on Blue

Fam­i­lien­be­treu­ung bei der Bun­deswehr

Aus­land­sein­satz nen­nt man einen Ein­satz ein­er Ein­sat­zor­gan­i­sa­tion (Stre­itkräfte, aber auch der zivilen Kräfte, wie der Polizei oder Ein­heit­en des Katas­tro­phen­schutzes und Ret­tungs­di­en­stes) außer­halb des eige­nen Staates. Dabei wird zwis­chen Hil­feleis­tung im Not- und Katas­tro­phen­fall (Katas­tro­phen­hil­fe), human­itär­er Hil­fe, Such- und Ret­tungs­di­en­sten, Aus­bil­dungszweck­en, sowie Peace­keep­ing und Friedenserzwingung unter­schieden. Der erste Aus­land­sein­satz der Bun­deswehr war 1992 in Soma­lia, der näch­ste fol­gte 1999 im Koso­vo. Aktuell gibt es 15 Aus­land­sein­sätze, in den deutsche Stre­itkräfte einge­bun­den sind, das sind im Sudan beispiel­sweise ger­ade ein­mal zwei deutsche UN-Beobachter, Luftraum­sicherung über dem Baltikum (100 Sol­dat­en und vier Jagdflugzeuge), derzeit etwa 473 deutsche Sol­dat­en im Koso­vo, 129 Sol­dat­en vor der Küste des Libanons, 892 Sol­dat­en im Ein­satz in Mali, eine bis zu 980 Sol­dat­en starke Train­ingsmis­sion in Afghanistan und und und… Einen Aus­land­sein­satz nen­nt man erst dann Aus­land­sein­satz, wenn man min­destens 30 Tage im Aus­land ist, alles darunter ist eine Dien­streise.

Wenn ein Fam­i­lien­mit­glied außer­halb der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land einge­set­zt wird, stellt das sowohl für den Sol­dat­en als auch für dessen Ange­hörige eine große emo­tionale Her­aus­forderung dar. Sol­dat und Fam­i­lie kön­nen viel­er­lei Hil­fe in Anspruch nehmen. Sie kön­nen sich beispiel­sweise an die Fam­i­lien­be­treu­ung­sor­gan­i­sa­tion (FBO) über ein Fam­i­lien­be­treu­ungszen­trum (FBZ) oder eine Fam­i­lien­be­treu­ungsstelle (FBSt) wen­den. Im Voraus sollte ein Sol­dat dort zwei enge Fam­i­lien­mit­glieder oder Fre­unde nen­nen, die in dem Fall bei ein­er Ver­let­zung oder etwas Schlim­meren per­sön­lich informiert wer­den (in der Sol­daten­sprache „Son­der­fall im Ein­satz“). Für Jeden der Hil­fe benötigt, wird Hil­fe ange­boten, egal, ob es um Gel­dan­gele­gen­heit­en geht, sollte im „worst case“ nach einem Dien­stun­fall die Woh­nung behin­derten­gerecht umge­baut wer­den müssen oder um psy­chol­o­gis­che Hil­fe. Auch gibt es Mil­itärp­far­rer, die für Gespräche all­ge­mein (Beziehung­sprob­leme, Tren­nung…) oder zum The­ma Traum­abe­wäl­ti­gung zur Ver­fü­gung ste­hen.

2009 wurde ein neues Gesetz fest­gelegt, mith­il­fe dessen man PTBS-Patien­ten (Post­trau­ma­tis­ches Belas­tungssyn­drom) helfen kann und diesen nicht ein­fach gekündigt wird. Sie kön­nen bis zu dreimal um jew­eils 5 Jahre ler­nen, ihren neuen All­t­ag zu meis­tern und bekom­men dabei volles Gehalt.

Lei­der kom­men in unseren Medi­en nicht immer alle Nachricht­en von Vor­fällen während der Aus­land­sein­sätze der Bun­deswehr an. Die Medi­en als Spiegel unser­er Gesellschaft inter­essieren sich schein­bar weniger dafür, ob Sol­dat­en sich für Frieden und Sta­bil­ität in anderen Län­dern ein­set­zen und dabei vielle­icht verunglück­en als dafür, dass Justin Bieber und Sele­na Gomez wieder ein Paar sind. Nur wenn ein hand­fester Skan­dal auf­taucht wie momen­tan der Fall Fran­co A. aus Illkirch, dann ist die Berichter­stat­tung wieder „an vorder­ster Front“ aktiv.

Kim Wag­n­er, 8a

Wir möcht­en uns sehr her­zlich bei der Bun­deswehr bedanken und ins­beson­dere beim Haupt­ge­fre­it­en Max­i­m­il­ian Stein und beim Ober­stab­s­feld­webel Wern­er Dim­mer für einen anre­gen­den und lehrre­ichen Tag.
Das IGEL-Pro­jek­t­team

Fotos: Press­es­telle des Infor­ma­tion­stech­nikbatail­lon 281 (ITBtl 281)

Impressionen von „IGEL goes Bundeswehr”

 

 

6 Antworten auf „IGEL goes Bundeswehr“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.