Jahrhunderthochwasser an Weihnachten 1993 in meiner Heimatstadt Koblenz

Anläss­lich des Jah­res­tags der Flut­ka­ta­stro­phe sind mir die ange­häng­ten Fotos vom soge­nann­ten Weih­nachts­hoch­was­ser 1993 aus mei­ner Hei­mat­stadt Koblenz in die Hän­de gefallen.

Alle Fotos habe ich selbst von der Lade­flä­che eines Bun­des­wehr-MAN 5‑Tonners (auf eini­gen Fotos zu sehen) auf­ge­nom­men, der mit einer Höhe von fast 3 Metern pro­blem­los durch die über­flu­te­ten Stra­ßen mei­ner Hei­mat­stadt fah­ren konnte.

Am 23.12.1993 lag der Rhein­pe­gel in Koblenz bei der Rekord­hö­he von 9,49m. Zum Ver­gleich: Aktu­ell liegt der Rhein­pe­gel bei knapp unter einem Meter. Die Gesamt­schä­den des Rhein­hoch­was­sers 1993 wur­den laut Wiki­pe­dia auf 400–500 Mil­lio­nen Euro geschätzt. Im Ver­gleich zur Scha­dens­hö­he der Flut­ka­ta­stro­phe im Ahr­tal in Höhe von ca. 29 Mil­li­ar­den Euro eine gera­de­zu über­schau­ba­re Summe.

Eine Koblen­zer Faust­re­gel besagt, dass im Durch­schnitt alle 10 Jah­re ein Hoch­was­ser ähn­li­cher Dimen­si­on am Zusam­men­fluss von Rhein und Mosel in der Nähe des Deut­schen Ecks auf­tritt. Aus die­sem Grund waren und sind die Koblen­zer auf sol­che Situa­tio­nen ent­spre­chend vor­be­rei­tet. Als Kind und Jugend­li­cher hat­te das sicher­lich nicht unge­fähr­li­che Kajak­fah­ren durch die über­flu­te­ten Stra­ßen des Stadt­teils Neu­en­dorf einen nicht zu top­pen­den Event­cha­rak­ter. Ich kann mich noch dar­an erin­nern, dass ich als Zwölf­jäh­ri­ger mit zwei Freun­den in einer alten Bade­wan­ne mit zuge­stopf­tem Abfluss durch die über­schwemm­ten Schre­ber­gär­ten gegen­über des Deut­schen Ecks geschip­pert bin Mein jün­ge­rer Bru­der kam wäh­rend eines Mosel­hoch­was­sers zu Beginn der 80er Jah­re auf die wag­hal­si­ge Idee, mit sei­nem Kajak auf dem über­flu­te­ten Rhein-Mosel-Cam­ping­platz zwi­schen den eng ste­hen­den den Pla­ta­nen Sla­lom zu fah­ren. Für die­sen Fall hat­ten wir im Vor­feld in der Gegen­strom­an­la­ge des Pri­vat­schwimm­bads mei­nes Freun­des aus­gie­big das Aus­stei­gen aus dem umge­kipp­ten Kajak und sogar die berühm­te Eski­mo­rol­le trainiert.

Auf­grund der extrem star­ken Strö­mung zwi­schen den Bäu­men ken­ter­te mein Bru­der bereits nach kur­zer Zeit mit sei­nem Kajak und lös­te in der Fol­ge einen Ret­tungs­ein­satz der Koblen­zer Feu­er­wehr aus. Bevor die Feu­er­wehr aller­dings mit einem Schnell­boot an Ort und Stel­le ein­traf, hat­te er sich selbst schon ans ret­ten­de Ufer gekämpft. Mei­ne Eltern beka­men aber trotz­dem nach weni­gen Tagen die Rech­nung die­ses Feu­er­wehr­ein­sat­zes in Höhe von 3000,- DM präsentiert.

Es war also eine Men­ge los im Koblen­zer Hoch­was­ser des letz­ten Jahrhunderts.

In mei­nem Hei­mat­vor­ort wur­de zu die­ser Zeit in über­flu­te­ten Knei­pen den Gäs­ten in Ang­ler­ho­sen sogar noch Bier ausgeschenkt.

Des­halb kann man die Ahr­tal­flut 2021 nicht mit einem Rhein-Mosel-Hoch­was­ser vergleichen.

Text und Fotos: Tho­mas Lauxen

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