West-Berlin vor der Wiedervereinigung – die „Insel des Westens“ – Erinnerungen an die Novembertage 1989 bis zum Mauerfall am 9.1. (Teil 11) in der DDR

Das fol­gen­de Foto vom Novem­ber 1989 zeigt die beson­de­re geo­gra­fi­sche Lage West-Ber­lins, außer­halb des Staat­ge­biets der dama­li­gen Bun­des­re­pu­blik Deutschland.

Wäh­rend heu­te die Bun­des­haupt­stadt Ber­lin als Stadt­staat wie Bre­men und Ham­burg eine nor­ma­le Rol­le im föde­ra­len Sys­tem der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land spielt, hat­te West-Ber­lin unter Ver­wal­tung der drei Sie­ger­mäch­te (Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, USA) einen Sonderstatus.

So durf­te bei­spiels­wei­se vor 1989 kei­ne west­deut­sche Air­line West-Ber­lin anflie­gen. Wer vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung nach West-Ber­lin flie­gen woll­te, muss­te sich ein Ticket bei Bri­tish Air­ways, Trans Word Air­lines (heu­te Ame­ri­can Air­lines) oder Air France buchen.

Wer mit dem Auto von der dama­li­gen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus nach West-Ber­lin fah­ren woll­te, muss­te sich z. B. vom Grenz­über­gang Helm­stedt bei Braun­schweig über die sehr streng bewach­te ca. 200 Kilo­me­ter lan­ge Tran­sit­au­to­bahn aus Beton­plat­ten mit Tem­po 100 quälen.

Wei­ter­hin muss­ten West-Ber­li­ner Bür­ger kei­nen Wehr­dienst leis­ten, wes­we­gen vie­le west­deut­sche Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer damals nach Ber­lin gezo­gen sind.

Außer­dem wur­den in West-Ber­lin eige­ne Brief­mar­ken gedruckt (sie­he Erst­tags­brief Weih­nachts­wohl­fahrts­mar­ke 1973 Deut­sche Bun­des­post Ber­lin mit dem Ber­li­ner Stadtwappen).

Das West-Ber­li­ner Rat­haus lag damals im Bezirk Schö­ne­berg (Rat­haus Schö­ne­berg). Heu­te hat der regie­ren­de Bür­ger­meis­ter von Ber­lin sei­nen Amts­sitz im „Roten Rat­haus“ im Bezirk Mit­te in der Nähe des Alexanderplatzes.

Wer vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung in West-Ber­lin arbei­te­te, erhielt eine steu­er­freie Ber­lin­zu­la­ge u. a. als Aus­gleich für die mit der geo­gra­fi­schen Lage ver­bun­de­nen Nach­tei­le. Auch vie­le West-Ber­li­ner lit­ten vor dem Hin­ter­grund des insu­la­ren ein­ge­schränk­ten Bewe­gungs­ra­di­us‘ an der soge­nann­ten „Mau­er-Krank­heit“. Dabei han­delt es sich um eine psy­cho­so­ma­ti­sche Stö­rung als Fol­ge des per­ma­nen­ten Eingesperrtseins.

Die auf dem Foto dar­ge­stell­ten Part­ner­schaf­ten ins­be­son­de­re mit west­deut­schen Städ­ten spiel­ten durch die Brü­cken­funk­ti­on nach West-Deutsch­land für die West-Ber­li­ner Bezir­ke wie z. B. Schö­ne­berg eine bedeu­ten­de Rol­le. Eine psy­cho­lo­gisch ähn­li­che Wir­kung erzeug­te die Namens­ge­bung ver­schie­de­ner kul­tu­rel­ler Insti­tu­tio­nen wie z. B. KaDe­We (Kauf­haus des Wes­tens), Thea­ter des Wes­tens, Euro­pa­cen­ter usw., die heu­te noch aktu­ell sind.

Zu wei­te­ren Zeit­zeu­gen­be­rich­ten geht’s hier:

Die Toten der Ber­li­ner Mau­er – Erin­ne­run­gen an die Novem­ber­ta­ge 1989 bis zum Mau­er­fall am 09.11. (Teil 10)

Fotos und Text: Tho­mas Lauxen

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