„Herr Dr. Streit, gibt es einen Weihnachtsmann?” IGEL-Interview mit Landrat Dr. Joachim Streit am 05.12.2019

vorne von links: Evin Cevlik, Melissa Belsch, Dominik Hahn und Sonja Esser, hinten: Catrin Stecker, Dr. Joachim Streit und Martin Olinger, Foto: Ansgar Dondelinger
vorne von links: Evin Cev­lik, Melis­sa Belsch, Dominik Hahn und Son­ja Ess­er, hin­ten: Catrin Steck­er, Dr. Joachim Stre­it und Mar­tin Olinger, Foto: Ans­gar Don­delinger

Melis­sa: Sehr geehrter Herr Dr. Stre­it, wir danken Ihnen, dass Sie uns zum IGEL-Inter­view hier in die Kreisver­wal­tung Bit­burg-Prüm ein­ge­laden haben!

Dominik: Wir freuen uns sehr, dass Sie für uns Zeit gefun­den haben.
Zunächst haben wir Sie gegoogelt, doch da haben wir nicht viel gefun­den, außer dass Sie seit nun zehn Jahren das Amt des Lan­drates bek­lei­den und bei jed­er Wahl mit über­wälti­gen­der Mehrheit gewählt und wiedergewählt wur­den. Für die Eifel gel­ten Sie als Sym­pa­thi­eträger, da sie über­all, wo Sie auf­tauchen, lächeln.

Son­ja: Anson­sten posten Sie Ihr Leben schon sehr öffentlich geschickt und gespickt mit vie­len pri­vat­en Details auf Face­book, Ins­ta, Twit­ter und anderen social media. Wür­den Sie unseren Leser*innen bitte kurz vorstellen, was ein Lan­drat so macht?

Herr Dr. Stre­it: Her­zlich willkom­men hier in der Kreisver­wal­tung des Eifelkreis­es Bit­burg-Prüm, ich bin sehr stolz, dass Ihr mich um ein Inter­view gebeten habt, denn Ihr habt ja eine tolle Schülerzeitung. Zu Dein­er Frage, Son­ja:
Die Arbeit eines Lan­drates ist etwa dreigeteilt: ein Drit­tel find­et im Büro, also am Schreibtisch statt, ein Drit­tel beste­ht aus der Arbeit in Gremien, dem Kreistag, dem Kreisauss­chuss, dann gibt es noch Zweck­ver­bände, beim Land­kreistag und das dritte Drit­tel sind repräsen­ta­tive Auf­gaben, draußen bei Vere­in­sju­biläen, bei Ein­führun­gen von Schulleiter*innen z.B., bes­timmte hun­dertjährige Jubiläen, viele Musikver­anstal­tun­gen. Nor­maler­weise habe ich 40 Arbeitsstun­den auf dem Papi­er, aber meis­tens kommt da immer noch eine gute Ladung Stun­den oben­drauf.

Melis­sa: Sie haben uns, dem IGEL, zu unserem 40jährigen Jubiläum, ein sehr loben­des Gruß­wort geschrieben. Vie­len Dank dafür! Haben Sie denn mal in den IGEL, unsere Online-Schülerzeitung, reingeschaut?
Herr Dr. Stre­it: Ja, der IGEL ist mir bekan­nt, weil Ihr mich vor gut einem Jahr über Insta­gram angeschrieben hat­tet, als es um die Stil­l­le­gung des oberen Ori­en­tierungsstufen­trak­tes ging.

Son­ja: Wir sind eine Online-Schülerzeitung, das heißt mul­ti­me­di­al unter­wegs in Text, Bild und Ton.
Evin: Heute ist Niko­laus­abend.
Dominik: Kön­nen Sie sich daher vorstellen, was wir uns jet­zt von Ihnen wün­schen, Herr Lan­drat?
Herr Dr. Stre­it: Dieses Gedicht mussten wir 1974 in der Schule ler­nen.

Ob Chress­daach Mor­jen wor et kalt
On ziem­lich hart gewor­fen
Do kre­jht den Höhn an aller Freh:
„Den Hei­land aß geboren.”

Do billt den Hund: „Wuwu, wuwu,
Wu aß en dan zo fan­nen?„
Do bläzt de Geeß: „Zo Bedle­heem!„
On bliev net langer han­nen.

Den Hund, de sät: „Eich lofen dor,
On wär et hon­nert Ston­nen,
On läkt em sei kal Feeß­ja worm,
Wann eich en hätt“ gefon­nen.”

Do sät den Hohn: „Eich zeert en schejn
Mat Fädern son­ner­gle­ichen”
Do sät de Geeß: „Eich giev em melch;
Sankt Jusep soll mich stre­ichen

On wat geß dau, o Men­schekand,
Deinen Gott aus dreiem Herzen?
Wells­dau an Send on Unver­stand
dei Sejlen­heel ver­scheren?

Dau brauchst net iwer Land on Meer
No Bedle­heem zo ränen:
Den Hei­land fendst dau iwer­al,
Wann dau en wells erkä­nen.

Soweit das Gedicht von Peter Zirbes (1825–1901), einem Mundart­dichter aus Niederkail.

Dominik: Wie wür­den Sie sich als Schüler während Ihrer eige­nen Schulzeit im Nach­hinein ein­schätzen, wenn Sie zwis­chen Stre­ber, mit­telmäßig oder totaler Noob wählen müssten?
Herr Dr. Stre­it: Eher mit­telmäßig, ich lernte nur das Nötig­ste, denn dadurch hat­te ich sehr viel Freizeit. Ein­mal blieb ich auch in der Ober­stufe sitzen, hat­te dann aber im Abitur die besten Noten in den Fäch­ern, in denen ich vorher Fün­fen und Sech­sen hat­te (Math­e­matik und Physik). Ich habe mich dann nach­her auch wirk­lich gefragt, an wem es da eigentlich lag.

Melis­sa: Auf jedem Bild find­et man Sie mit per­fek­ten Haaren und einem strahlend weißen Lächeln – wie schafft man das einen anstren­gen­den Arbeit­stag lang?
Herr Dr. Stre­it: Ich bin von Grund auf ein fröh­lich­er Men­sch, kann aber auch auf einen Knopf drück­en, um von schlechter Laune auf gute Laune zu schal­ten. Ich sage immer scherzhaft, dass die Hebamme mir damals einen Klaps auf den Po gab und mir sagte: „Sitze lock­er im Sat­tel des Lebens!” Wenn ich aus dem Haus gehe, bin ich der Lan­drat und kann mich motivieren und Dinge, die mich bedrück­en, in den Hin­ter­grund zu drän­gen.

Son­ja: Welche Aspek­te gefall­en Ihnen denn an Ihrem Amt am besten?
Herr Dr. Stre­it: Am besten ist, dass man sehr viel mit Men­schen arbeit­et. Und diese Men­schen sind auch zu 99% immer guten Wil­lens – und das, obwohl wir eigentlich kein Geld haben – trotz­dem viel erre­ichen. Wir haben eine große Zielpla­nung auf das Jahr 2030 hin, so wie auch im Bere­ich der ganzen Schul­baut­en. Als ich anf­ing, hat­ten wir mal so einen Bere­ich von 20 bis 30 Mil­lio­nen, von denen ich dachte, dass wir so viel aus­geben wür­den. Dann haben wir uns heranger­obbt, konkreter berech­net und dann waren es auf ein­mal 60 Mil­lio­nen. Nach den ersten Baut­en war uns dann klar, dass wir das Vorhaben unter­schätzt hat­ten, denn bei allen alten Gebäu­den, die ren­oviert wer­den, über­holen einen die Kosten. Hät­ten wir geah­nt, dass wir irgend­wann mit Zahlen von bis zu 160 Mil­lio­nen Euro jonglieren müssen, hät­ten wir uns vielle­icht erst gar nicht drangegeben. Wir haben zurzeit zwölf Schulen, aber es sind mehr Gebäude, 16 bis 17. So haben wir jet­zt enorm viel zu tun, sehen aber auch, dass wir etwas erre­ichen kön­nen, auch wenn der Haushalt gar nicht so gut aussieht.

Dominik: Was war Ihr Beruf­swun­sch als Kind, Pirat, Feuer­wehrmann oder Cow­boy?
Herr Dr. Stre­it: Das kann ich ein­deutig beant­worten: Straßen­wärter. Mein Vater war Straßen­wärter, er kam zur Mit­tagspause mit einem Uni­mog nach Hause. Die Tech­nik, die orange Run­dum­leuchte, die Schaufel vorne, all das hat mich immer schon fasziniert: Straßen­wärter.

Evin: Was an Ihrer Arbeit empfind­en Sie als am meis­ten anstren­gend?
Herr Dr. Stre­it: Wenn Sachen immer und immer wieder passieren und man denkt, die müssten doch schon längst abgeschafft sein. Aber es sind immer andere Men­schen, die mit dem gle­ichen Prob­lem kom­men und wenn sich das dann X‑mal wieder­holt, dadurch wird es nach ein­er Zeit lang­weilig. Beson­ders ärg­ert es mich, wenn es Dinge sind, bei denen ich selb­st Fehler gemacht habe. Aber über­all, wo Men­schen beieinan­der sind, passieren eben Fehler. Sich dann zu erk­lären, ist mitunter anstren­gend.

Dominik: Was möcht­en Sie in Ihrem Leben unbe­d­ingt noch machen, gibt es da eine Abhak­liste, beru­flich oder auch pri­vat?
Herr Dr. Stre­it: Im Beruf habe ich Ideen für 200 Jahre und ich sehe, wie mir die Zeit davon­läuft. Jet­zt ist man als Lan­drat schon auf acht Jahre gewählt. Zehn Jahre sind vor­bei. Wir pla­nen schon auf das Jahr 2030 hin wohl wis­send, dass meine Amt­szeit nur bis 2025 geht. Man muss ein­fach lange im Voraus pla­nen. Zum Teil braucht man andere Behör­den, die Auf­sichts­di­rek­tion, das Land, den Bund, die EU, Ver­bands- und Orts­ge­mein­den. Bis man dann alles zusam­men hat, verge­ht Zeit. Meine Abhak­liste würde ich beru­flich das inte­gri­erte Kreisen­twick­lungskonzept nen­nen. Das sind über 200 Maß­nah­men, drei strate­gis­che Ziele, 20 Hand­lungs­felder, die auf dieser Liste ste­hen.

Pri­vat wün­sche ich mir mehr Zeit mit der Fam­i­lie. Wenn ich darüber nach­denke, kom­men mir die Trä­nen. Der Beruf „Lan­drat” ist ein Ver­brechen an der Fam­i­lie, das muss man lei­der so sagen. Meine Arbeit lässt keine Hob­bys zu. Auch meinen Fre­un­deskreis bekomme ich nicht gepflegt. Die Fam­i­lie hat­te beschlossen, dass wir zusam­men einen Golfkurs machen. Das fand ich unheim­lich schön, so lange mit mein­er Fam­i­lie zusam­men zu sein und das ohne Handys.

Son­ja: Seit zehn Jahren warten wir auf den Umzug unseres Schul­ge­bäudes, der Kaiser-Lothar-Realschule plus in ein kaum mod­erneres anderes Gebäude, näm­lich in das Gebäude der ehe­ma­li­gen Wan­dal­bert-Hauptschule. Die Bau­pläne hän­gen jet­zt endlich aus. Näch­stes Jahr wird vielle­icht mit den Umbau­maß­nah­men begonnen, ein Umzug kön­nte ab 2023 wahrschein­lich sein. Wird der Jahrgang von Melis­sa, Evin und Dominik (achte Klasse) den Umzug ins ehe­ma­lige Wan­dal­bert-Hauptschul­ge­bäude noch erleben? Warum dauert so ein beschlossen­er Umzug 13 Jahre, bis er umge­set­zt wer­den kann?

Auf diese Frage antwortet Herr Mar­tin Olinger, den Herr Dr. Stre­it zu unserem Inter­viewter­min dazu gebeten hat, da dieser der Amt­sleit­er des Amts 15 ist, des Amtes für Haushalt, Ein­zahlung, Kasse, Gebäude­ver­wal­tung, Liegen­schaften und Schule.

Herr Olinger: Das ist ein ganz lang­wieriger Prozess, da sind unwahrschein­lich viele Akteure mit im Boot. Man fängt dann mal an und schaut sich die Gebäude an und stellt die Män­gel fest. Dann kam die Schul­struk­tur­reform und mit einem Mal war das Wan­dal­bert­ge­bäude Eigen­tum des Land­kreis­es. Das war ja fast leer. Da fing man wieder an zu pla­nen, ob dieses Gebäude vielle­icht bess­er geeignet sei. Bei diesen Über­legun­gen und Pla­nun­gen wirken viele Behör­den mit. Das dauert Jahre. Dieser Prozess ist jet­zt abgeschlossen. Am 16. Dezem­ber wird das Pro­gramm beschlossen. Der Umbau eures neuen Schul­ge­bäudes war mit acht Mil­lio­nen Euro ver­an­schlagt und wird jet­zt zwölf Mil­lio­nen kosten. Das liegt zum Beispiel an den neuen Brand­schutzvorschriften. Dann kön­nen wir nach dem 16.12. endlich an die Auss­chrei­bun­gen für die Handw­erk­er gehen. Da ist mit ein­er Bauzeit von ca. vier Jahren zu rech­nen. Also werdet ihr den Umzug nicht mehr erleben während Eur­er Schulzeit. Aber Ihr kön­nt die Baustelle ja dann mal anschauen kom­men.

Melis­sa: Warum ist eine kom­plette Etage des vorderen Teils unseres Gebäudes schon seit 1,5 Jahren ges­per­rt, ich meine, die 20 Jahre vorher war die fehlende zweite Treppe auch kein Prob­lem. Wir haben uns genau informiert, die Sicher­heits­beauf­tragten unser­er Schule hat­ten die Kreisver­wal­tung in den let­zten Jahren immer wieder deswe­gen angeschrieben. Warum ste­hen die vier Klassen­räume, die uns echt fehlen, jet­zt ein­fach leer? Eine Notaus­gangtreppe muss doch auch für die BBS gebaut wer­den, wenn die dann in unser Gebäude zieht.
Herr Olinger: Ja, das ist jet­zt der näch­ste Schritt. Wenn ihr umge­zo­gen seid in das Wan­dal­bert-Gebäude, dann wird euer altes Gebäude ren­oviert, da soll dann ja die Beruf­ss­chule rein. Aber selb­st dann wis­sen wir den Stand der Schule nicht. Vielle­icht wird die Treppe immer noch ges­per­rt bleiben, weil das alles viel Geld kostet. Eine solche Treppe kostet 75000 Euro. Die kann man nicht ein­fach jet­zt schon bauen, ohne zu wis­sen, wie die BBS dann Euer jet­ziges Gebäude nutzen wird.

Son­ja: Wir denken natür­lich jet­zt ganz klar aus unser­er Per­spek­tive als jet­zige Schüler*innen der KLR+, wir sehen, dass eine kom­plette Schü­ler­gen­er­a­tion in ein­er schwieri­gen Gebäude­si­t­u­a­tion die Realschule plus in Prüm besucht, die kein gutes Licht auf unsere Schule wirft. Es fehlen Klassen­z­im­mer, zurzeit ist der Baulärm unerträglich, der Pausen­hof ist wie ein Gefäng­nishof zusam­mengeschrumpft und wir sehen das Licht am Ende des Tun­nels nicht.

Herr Olinger: Aber dafür werdet ihr die sanierte Turn­halle noch erleben, das ist doch schon mal was, die soll im kom­menden Jahr fer­tiggestellt wer­den.

Herr Dr. Stre­it: Im kom­menden Jahr bauen wir also in Irrel, dann kommt das Gym­na­si­um in Bit­burg hinzu, weit­er das Gym­na­si­um in Prüm, das wird eine Riesen­geschichte, dann die Wan­dal­bertschule und schließlich noch hier in Bit­burg unser eigenes Ver­wal­tungs­ge­bäude. Lei­der find­en wir auch fast keine Inge­nieure mehr, denn der freie Markt ist attrak­tiv­er als bei der Ver­wal­tung zu arbeit­en. Und dann find­en wir kaum Architek­ten und dann find­en wir keine Handw­erk­er mehr.

Dominik: Jet­zt wird es wieder pri­vater: Was trifft eher auf Sie zu: Gefühls­men­sch oder Kopf­men­sch?
Herr Dr. Stre­it: Kopf­men­sch. Aber es gibt eine Regel, wenn man nicht weiß, wie man auf sein Herz hören soll.

Son­ja: Welch­es ist das beste Buch, das Sie je gele­sen haben, welch­es ist der beste Film, den Sie je gese­hen haben?
Herr Dr. Stre­it: Das Buch das mich in meinem Leben am meis­ten beein­druckt hat, war Die neuen Lei­den des jun­gen W.” von Ulrich Plen­z­dorf.
Und beim Film muss ich geste­hen, dass ich „Net­flix­er” bin. Ich liebe Serien, da kann man so schön entspan­nen. Meine Lieblingsserie war „Games of thrones”. Ich habe schon über 120 Serien geguckt. Wenn ich im Auto nicht arbeite, schaue ich gerne Serien.

Evin: Wenn Sie eine beliebige Aktiv­ität zu ein­er olymp­is­chen Diszi­plin machen kön­nten, bei welch­er hät­ten Sie die größten Chan­cen, eine Medaille zu gewin­nen?
Herr Dr. Stre­it: Ich muss sagen, dass ich als Kind sehr, sehr dick war und musste Orthe­sen trage. Das sind so Bein­schienen, um die Beine zu begr­a­di­gen. Daher habe ich viel Zeit mein­er Jugend mit diesen Schienen auf dem Sofa ver­bracht. Dadurch wurde ich auch in der Schule im Sportun­ter­richt immer als Let­zter gewählt. Beim Fußball hieß es dann oft: „Wir nehmen das Mäd­chen – nehmt ihr ihn.” Meine Mitschüler*innen hat­ten mir einen Spitz­na­men gegeben: „Dick­ie”. Seit­dem hat sich viel geän­dert. So bin aber auch zur Poli­tik gekom­men. Ich las viel und schaute poli­tis­che Sendun­gen. Der dama­lige kör­per­liche Nachteil hat mir also zu einem riesen­großen geisti­gen Vor­sprung ver­holfen. 

Dominik: Ihr State­ment zum The­ma „Fri­days for Future”: Glauben Sie, dass Kinder, die heute geboren wer­den, ein besseres oder ein schlechteres Leben als ihre Eltern führen kön­nen?
Herr Dr. Stre­it: Es wird ein anderes Leben sein. Ich bin ja aufgewach­sen in einem Land, in dem es wirtschaftlich immer weit­er bergauf ging. Bei uns galt der Satz der Eltern: „Still­stand ist Rückschritt.” und es musste immer mehr wer­den. Jet­zt brauchen wir auch mehr, jedoch im grü­nen Bere­ich. „Green deal” sagt Ursu­la von der Leyen dazu, erneuer­bare Energien, Foto­voltaik, Elek­troau­tos. Das wird ein gewaltiger Umbruch wer­den. Wirtschaftlich ist es sicher­lich schwieriger gewor­den. Das spricht aber auch dafür, dass das Leben auf dem Land sich wieder lohnt und der Eifelkreis attrak­tiv wird.

Son­ja: Gibt es Dinge, die in der Welt passieren, die Ihnen Angst machen?
Herr Dr. Stre­it: Ja. Wir sind aufgewach­sen im Kalten Krieg, da gab es den West­en und den Osten und bei­de Mächte waren bewaffnet bis an die Zähne mit Atom­waf­fen. Der Feind war klar beschrieben. Heute haben wir eine Welt, in der wir nicht mehr wis­sen, vor wem wir Angst haben müssen. Es ist nicht mehr strate­gisch auf Men­schen Ver­lass, was man zum Beispiel am amerikanis­chen Präsi­den­ten sieht.

Lourdes-Grotte Beilingen: einer von Herrn Dr. Streits "places to be" (Foto: eifel-direkt)
Lour­des-Grotte Beilin­gen: ein­er von Her­rn Dr. Stre­its „places to be” (Foto: eifel-direkt, VG Spe­ich­er)

Melis­sa: Welch­es sind zurzeit Ihre drei Liebling­sorte oder ‑plätze in der Eifel?
Herr Dr. Stre­it: Ich stamme aus dem Ort Beilin­gen. In Beilin­gen gibt es eine Marien-Grotte, die vor über 100 Jahren von ein­er Schulk­lasse errichtet wurde. Das ist ein wun­der­bar­er Ort, wo man sich ein­fach nieder­lassen und nach­denken kann.

Marien-Grotte Beilingen (Foto: eifel-direkt)
Marien-Grotte Beilin­gen (Foto: eifel-direkt, Simone Prob­st )

Ein zweit­er Ort ist sicher­lich der Blick, wenn man zwis­chen Kyll­burg und Mal­berg ist und man kann sowohl auf den Stifts­berg als auch auf das Mal­berg­er Schloss schauen kann.

Blick vom Annenberg auf das Malberger Schloss (Foto: eifel-direkt)
Blick vom Annen­berg auf das Mal­berg­er Schloss (Foto: eifel-direkt, Moni­ka May­er)
Blick vom Annenberg auf den Kyllburger Stiftsberg (Foto: eifel-direkt)
Blick vom Annen­berg auf den Kyll­burg­er Stifts­berg (Foto: eifel-direkt, Moni­ka May­er)

Und dann natür­lich bei Son­nen­schein die Eis­diele bei Euch in Prüm mit Blick auf die wun­der­bar ren­ovierte Sankt Sal­va­tor Basi­li­ka und den neu gestal­teten Hah­n­platz. Und es gibt für mich einen vierten Ort, näm­lich, wenn man die Our-Schleife sieht, dann ste­ht man bei Wald­hof-Falken­stein oben und schaut runter ins Our­tal. Man sieht dann auf Lux­em­burg und das ist auch so ein wun­der­bar­er Blick.

Dominik: Was war der größte Mist, den Sie als Jugendlich­er gebaut haben?
Herr Dr. Stre­it: Ich habe ein­mal fast unser Haus angesteckt, und zwar spielte ich als Jugendlich­er immer gerne mit Feuer. Dann stand da immer Feuerzeug-Ben­zin herum. Unser Haus hat­te einen Anbau und das Schlafz­im­mer mein­er Eltern befand sich dort über dem ehe­ma­li­gen Schweinestall, der da nur noch als Hol­zlager diente. Mein Vater hat­te die Decke mit Sty­ro­por abgedichtet und von der Decke hin­gen haarige Maschi­nen­seile hinab, mit denen man Heuballen umwick­elt. Dann kam ich mit einem Feuerzeug und zün­dete die haari­gen Seile an, aus dem Glim­men wurde ein Feuer und das Feuer schlug gegen die Sty­ro­pordecke und sie bran­nte.
Da meine Groß­mut­ter sehr sparsam war, sam­melte sie Regen­wass­er. Ich ran­nte dann raus und schnappte mir einen solchen Eimer, da unser Schweinestall nur 1.70 hoch war und ich grad 10 Jahre alt war, kon­nte ich den Brand von unten löschen, das geschmolzene Sty­ro­por tropfte mir allerd­ings auf die Hand und man sieht es jet­zt noch (er zeigte sie uns).

Son­ja: Bei Face­book posteten Sie am 27.09.19 Fol­gen­des:  
„50 Mio. Euro haben wir in den let­zten 10 Jahren investiert.
100 Mio. Euro kom­men in den näch­sten 10 Jahren hinzu.
Egal wie schlimm es kommt, bei Schulen wird nicht ges­part.
Hinzu kommt die dig­i­tale Ausstat­tung der Schulen,
die am Ende den Betrag von vier Mil­lio­nen Euro weit über­schre­it­en wird.„
Wir find­en es schwierig, solche Zahlen richtig einzuschätzen. Wieviel Geld wurde denn zum Ver­gle­ich vor den zehn Jahren, die sie nen­nen, also vor 2009, in die Schulen investiert?
Herr Olinger: Ein Teil der Schulen gehörte uns bis dahin noch nicht. Es gibt einen Unter­hal­tungsti­tel über jedes Jahr, das gelaufen ist. Einige Schuler­weiterun­gen hat­ten wir bere­its in den Jahren davor oder drin­gende Ren­ovierungs­maß­nah­men wie Schul­toi­let­ten. Im Schnitt waren das in den Jahren davor immer so 100.000 Euro pro Schule pro Jahr. Diese Mil­lio­nen­be­träge fließen erst seit 2009. Da wurde näm­lich ein Investi­tion­spro­gramm (erstes Kon­junk­tur­paket) aufgelegt, das war die Ini­tialzün­dung. Es begann mit ener­getis­chen Sanierun­gen und dann schaut man von außen nach innen und aus einem kleinen Ren­ovierungsvorhaben wird eine große Gen­er­al­sanierung.

Dominik: Wieviel Geld haben die anderen Land­kreise in Rhein­land-Pfalz in den let­zten zehn Jahren in die Schulen investiert?
Herr Dr. Stre­it: Das wis­sen wir eigentlich nicht, dem­nächst wird es dazu ein öffentlich­es dig­i­tales Ver­gle­ich­sportal geben.

Melis­sa: Gibt es Zahlen darüber, wieviel Geld die anderen Land­kreise in RLP in den näch­sten zehn Jahren beab­sichti­gen zu investieren?
Herr Dr. Stre­it: Man hat immer nur fünf Jahre im Blick. Wir pla­nen länger und bei den anderen Land­kreisen weiß man es nicht.

Son­ja: Sie schrieben: „Egal wie schlimm es kommt, bei Schulen wird nicht ges­part.”
In welchen Bere­ichen würde denn beispiel­sweise ges­part wer­den (wenn etwas Schlimmes kommt), wenn nicht bei den Schulen?
Herr Dr. Stre­it: Das ist eine gute Frage. Man hat viel Freude an frei­willi­gen Leis­tun­gen. Bei der Bre­it­band­ver­sorgung sind wir als Kreis eigentlich nicht zuständig, das ist Auf­gabe die Orts­ge­mein­den. Wir wer­den Mitte näch­sten Jahres in jedem Ort im Eifelkreis zwis­chen 50 und 100 mbit haben. Wir wür­den auch gerne Glas­fas­er in jeden Haushalt leg­en. Da wir aber einen defiz­itären Haushalt haben, ver­bi­etet uns das unsere Auf­sicht. Hier müssen wir also lei­der sparen.

Melis­sa: Wir haben bei der Vor­bere­itung des Inter­views gemerkt, dass wir mit Ihren Aus­sagen über die großen Beträge, die jet­zt investiert wer­den sollen, ein­fach gar nichts anfan­gen kön­nen. Ist das viel, ist das wenig? Mit Zahlen in dieser Größenord­nung ohne Bezugs­größe kon­nten wir nichts anfan­gen.
Uns fiel dazu ein, dass gewisse Parteien so ihre Wahlwer­bung auf­bauen: da wird die monatliche Rente eines 68jährigen Deutschen gegenübergestellt mit den Sozialleis­tun­gen eines ver­heirateten syrischen Flüchtlings, der zwölf Kinder hat. Sie nutzen diese ver­fälschen­den Ver­gle­iche zum Glück nicht. Wir find­en es trotz­dem sehr prob­lema­tisch, mit Zahlen ohne Bezugs­größen zu jonglieren. Aber ist das richtig, dass in naher Zukun­ft richtig viel auch zugun­sten unser­er Schule passieren wird, da jet­zt so viel Geld für die Schulen investiert wird?
Herr Dr. Stre­it: Oh ja. Als ich anf­ing vor zehn Jahren, hat­ten wir einen Haushalt von 110 Mil­lio­nen Euro und der liegt jet­zt bei 160 Mil­lio­nen Euro. Für Jugend und Soziales sind die Aus­gaben von 60 Mil­lio­nen auf 90 Mil­lio­nen Euro angewach­sen. Dazu kom­men dann noch die Investi­tio­nen. Das ist schon ein riesiges Vol­u­men, aber es gilt, jet­zt etwas zu machen.

Evin: Ihre let­zte Aus­sage ist: „Hinzu kommt die dig­i­tale Ausstat­tung der Schulen, die am Ende den Betrag von vier Mil­lio­nen Euro weit über­schre­it­en wird„
Da die dig­i­tale Ausstat­tung von Schulen sehr schnell ver­al­tet, inter­essiert uns die Frage, ob der von Ihnen genan­nte Betrag in Höhe von vier Mil­lio­nen und mehr nun dauer­haft, das heißt alle drei bis vier Jahre zur Mod­ernisierung der dig­i­tal­en Medi­en in den Schulen zur Ver­fü­gung ste­ht oder ob es sich hier­bei nur um eine ein­ma­lige Summe han­delt.
Herr Dr. Stre­it: Zunächst ist diese Summe ein­ma­lig. Dann gibt es einen soge­nan­nten König­stein­er Schlüs­sel. Danach wird in Deutsch­land immer alles verteilt. Das ist so eine Art Gerechtigkeits­maßstab. Danach ste­hen uns jet­zt vier Mil­lio­nen Euro zu. Alle Schulen bekom­men daher jet­zt erst ein­mal eine ein­heitliche Grun­dausstat­tung. Alle Schulen bekom­men einen Giga-Anschluss.

Frau Steck­er: Genau, und wenn dann alles ein­gerichtet ist, ziehen wir um.
Herr Dr. Stre­it: Nun, irgend­wo müssen wir begin­nen. Die Dig­i­tal­isierung wird unser Leben noch mehr durch­drin­gen in Zukun­ft. Unser jüng­ster Sohn geht auf das Neuer­burg­er Gym­na­si­um, das ist ein staatlich­es also ein Lan­des-Gym­na­si­um. Dort ist die Ausstat­tung schon vor­bildlich. Und von daher gehe ich davon aus, dass die vier Mil­lio­nen Euro natür­lich nicht reichen wer­den. Wir gehen Schritt für Schritt voran.

Dominik: Herr Stre­it, am 21.09.1897 lautete die Über­schrift zu einem Leitar­tikel der Zeitung New York Sun (über­set­zt) „Gibt es einen Wei­h­nachts­mann?“
Son­ja: Der Jour­nal­ist Fran­cis P. Church beant­wortete diese heik­le Frage der Leserzuschrift der kleinen Vir­ginia O Han­lon so überzeu­gend, dass die Antwort noch heute weltweit nachge­druckt wird.
Melis­sa: Deshalb inter­essiert uns in der Vor­wei­h­nacht­szeit zum Schluss die Frage:
Was hät­ten Sie der kleinen Vir­ginia auf diese Frage geant­wortet?
Herr Dr. Stre­it: Wenn man an etwas glaubt, gibt es das.

Das Inter­view führten Son­ja Ess­er, 10b, Evin Cev­lik, 7b, Melis­sa Belsch, und Dominik Hahn, bei­de 8a.
Die Bilder­nach­weise ste­hen dies­mal direkt unter den Fotos.

2 Antworten auf „„Herr Dr. Streit, gibt es einen Weihnachtsmann?” IGEL-Interview mit Landrat Dr. Joachim Streit am 05.12.2019“

  1. Kom­pli­ment ich finde ihr habt ein super Inter­view geführt und gut recher­chiert.
    allen in der Igel Redak­tion wün­sche ich ein schönes Wei­h­nachts­fest.

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