5 Antworten auf „IGEL kreativ – Was ist schön?“

  1. Lesen ist ein schö­ner Pro­zess! Die tiefs­ten Erfah­run­gen per­sön­li­cher und gesell­schaft­li­cher Kata­stro­phen in Wor­te zu fas­sen, das Unfass­ba­re fass­bar und das Unsag­ba­re sagbar
    zu machen _ das wuss­ten die Künst­ler alter Zeiten.
    Wer kennt fan­tas­ti­sche Irr­fahrt des grie­chi­schen Hel­den Odys­seus, der vie­le Men­schen, Städ­te gese­hen und Sit­ten gelernt hat?

    Seit 20 Jah­ren ist er fort. Ihm ist die Heim­kehr verweigert,
    weil er den Gott belei­digt hat. Alle ande­ren Hel­den sind daheim;
    Ihm hal­ten die Göt­ter von der Hei­mat fern. Er irrt über das Meer,
    ver­liert Gefähr­te durch Stürme. 

    (Lesen ist ein fas­zi­nie­ren­der Prozess!)

    Er kommt zum Stro­me Oke­ans und sieht das Schattenreich
    (Unter­welt). Die Schat­ten drän­gen aus der Unter­welt hervor;
    Jüng­lin­ge und Grei­ße; Und ihn ergreift ein blei­ches Entsetzten.

    Schat­ten sei­ner Mut­ter Teresias:
    „Was treibt dich das Son­nen­licht zu ver­las­sen und die­sen Ort
    auf­zu­su­chen? Ein Gott wird die Heim­kehr schwer machen. Du hast ihn schwer gekränkt, als du sei­nen Sohn das Auge geblen­det hast. Du kommst ein­sam, elend, spät und auf frem­den Schiff nach Hau­se. Auch dort fin­dest du nur Jam­mer. Dein Vater hat sich aufs Land zurück­ge­zo­gen und kommt nie mehr zur Stadt.” Odys­seus will Mut­ter umar­men, drei­mal springt er
    hin­zu und drei­mal ent­schwebt Mut­ter in ein Traumbild.

    Nun kom­men die See­len des Achill und sei­nes Freun­des Patroklos.
    Achill: „Sprich mir nichts Tröst­li­ches vom Tode, Odysseus,
    lie­ber woll­te ich als Tage­löh­ner auf Erden als über die Schar
    der Toten herrschen.”

  2. Begeg­nung mit einem Gedicht ist schön.

    „Sie­ben Jah­re wollt kein Schritt mir glücken.
    Als ich zu dem Gro­ßen Arz­te kam,
    Frag­te er: Wozu die Krücken?

    Und ich sag­te: Ich bin lahm. 

    Sag­te er: Das ist kein Wunder,
    Sei so freund­lich, zu probieren!
    Was dich lähmt ist die­ser Plunder.
    Geh, fall, kriech auf allen vieren!
    Lachend wie ein Ungeheuer
    Nahm er mir die schö­nen Krücken,
    Brach sie durch auf mei­nem Rücken,
    Warf sie lachend in das Feuer.

    Nun, ich bin kuriert: Ich gehe.
    Mich kurier­te ein Gelächter.
    Nun zuwei­len, wenn ich Höl­zer sehe,
    Gehe ich für Stun­den etwas schlechter.
    / Ber­tolt Brecht, Die Krücken /

  3. Jeder Mensch trägt Schön­heit in sich. Schön­heit bezieht sich
    nicht nur auf das Aus­se­hen. „Man sieht nur mit dem Her­zen gut,
    das Wesent­li­che ist für die Augen unsicht­bar”, schreibt Antoi­ne de Saint Exu­peri. Ober­fläch­lich­kei­ten las­sen sich zwar erkennen
    mit den Augen, aber Per­sön­lich­keit nicht.

  4. „Wie könn­te die Schön­heit die Welt ret­ten?” _
    mit der Fra­ge beschäf­tigt sich rus­si­scher Schriftsteller
    Theo­dor Dostojewski.

    Ein Athe­ist fragt dem Prinzen:
    „Wie könn­te die Schön­heit die Welt retten?”
    Der Prinz sagt nichts, er geht zu einem jun­gen Mann, dem es schlecht geht. Er bleibt bei ihm, bis er stirbt.
    Schön­heit ist, wenn wir den Schmerz unse­rer Mit­men­schen teilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.